Im Interview - Geschäftsführerin Dana Schmiedel zur Coronakrise

Avatar of Stephanie Wegener Stephanie Wegener - 23. April 2020 - Menschen

Ein Blick hinter die Kulissen...

Für Dana Schmiedel, Geschäftsführerin und Direktorin der Berliner Albrechtshof Hotels hat sich der Hotelalltag verändert. In einem Interview verrät sie, wie sie es schafft, ihren Optimismus zu behalten, wie sie ihre Mitarbeiter/innen weiter motivieren kann trotz Kurzarbeit und was ihre heimliche Nervennahrung in Krisenzeiten ist. Viel Spaß beim Lesen!

Liebe Frau Schmiedel, wer Sie kennt, der weiß, Sie bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Und für jedes Problem finden Sie eine pragmatische Lösung. Sie sind seit 2003 Direktorin der drei Berliner Hotels Albrechtshof, Allegra und Augustinenhof sowie seit 2009 Geschäftsführerin der Albrechtshof-Hotels Gruppe, zu dem auch das Luther-Hotel in Wittenberg gehört. Wie würden Sie Ihren beruflichen Werdegang in einem Satz beschreiben?

Für mich unerwartet und so nicht geplant und über die vielen Jahre immer wieder neu und aufregend und herausfordernd!

Sie führten die Hotelgruppe mit der angeschlossenen Gastronomie schon durch viele bewegte Zeiten, darunter unter anderem die Finanzkrise vor zehn Jahren. Wie erleben Sie die Coronavirus-Zeit mit den ganzen Einschränkungen?

Es ist ein Ausnahmezustand, anders als in der Finanzkrise, weil man jetzt nicht weiss, wie es weitergeht und weil man selbst nur bis zu einem bestimmten Punkt entscheidungsfähig ist. Die Entscheidung ist auch ganz sicher für die Regierung nicht einfach, da man auf der einen Seite die Gesundheit aller im Blick haben muss und auf der anderen Seite die wirtschaftlichen Interessen berücksichtigen muss... Gleichzeitig krempelt es das ganze eigene Leben um, man muss sich darauf einlassen, dann tut es auch gar nicht so doll weh und man lernt sich und seine Freunde nochmal anders kennen.

Die Albrechtshof Hotels sind bekannt dafür, dass MitarbeiterInnen langjährig mit dabei sind. 10,20,30 Jahre Betriebszugehörigkeit sind hier keine Seltenheit. Was denken Sie, woran das liegt?

Ich denke, wir versuchen die MitarbeiterInnen immer mitzunehmen, versuchen Entscheidungen herbeizuführen, die viele mittragen können, hören zu und sind authentisch in unserer Führung, wir sind auch immer für die MitarbeiterInnen bei privaten Problemen da... Aber am besten Sie fragen die Mitarbeiter/innen! :-)

Dana Schmiedel hat immer ein offenes Ohr für ihr Team und gibt ihren Mitarbeiter/innen mit ihrem besonnenen und klaren Führungsstil Sicherheit und Orientierung.
Gute Stimmung im Team ist Dana Schmiedel wichtig. Ihre beiden Assistentinnen Julia Voll und Solveig Lüder halten ihr in ihrer Doppelfunktion als Direktorin und Geschäftsführerin den Rücken frei.

Wie haben Sie die Einschränkungen wie Kurzarbeit & Homeoffice an die MitarbeiterInnen kommuniziert? Wie war die Reaktion? Bekommen Sie Feedback, wie es den MitarbeiterInnen im "Homeoffice" geht?

Die Situation und die Auflagen durch die Regierung waren ja für alle präsent, daher war allen klar, dass wir etwas ändern müssen. Zwei geschlossene Hotels, da wusste jeder, dass es bedeutet, dass wir MitarbeiterInnen in Kurzarbeit schicken müssen. Meinem Geschäftsführerpartner Reinhard Behrens und mir war es wichtig, niemanden betriebsbedingt zu kündigen. Das hatte neben der wirtschaftlichen Steuerung des Unternehmens oberste Priorität. Wir haben es in den Personalversammlungen erläutert und ich hatte das Gefühl, dass es alle verstanden haben, dass dies der einzige Weg ist, die Hotels langfristig zu erhalten. Es kamen viele positive Rückmeldungen für die Art wie wir die Situation angegangen sind und auch Angebote von MitarbeiterInnen, dass sie gern auf noch mehr Geld verzichten, um zu helfen. Das ist ein tolles Gefühl, wenn man merkt, die MitarbeiterInnen sind mit dem Herz dabei und stehen hinter dem Unternehmen. Das oberste Ziel war und ist es ja, gesund zu bleiben und die Verbreitung der Infektion zu verhindern. Daher waren auch alle dabei, als es darum ging, ihre Arbeiten von zu Hause zu erledigen, bei denen wo es geht und eben auch das Unternehmen zu erhalten. Ich versuche mit den Kollegen/Kolleginnen im Homeoffice in Kontakt zu bleiben. Das gelingt mir nicht mit allen und daher bin ich dankbar, dass die AbteilungsleiterInnen diesen Kontakt auch halten. Viele sind ungeduldig und hoffen bald wieder arbeiten zu können - sind aber trotzdem noch optimistisch gestimmt. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an alle MitarbeiterInnen!

Wie kommunizieren Sie derzeit mit den AbteilungsleiternInnen? Wie klappt die Mitarbeiterführung und welche Werte sind Ihnen wichtig?

Wir kommunizieren über ein Messenger Dienst, über Videokonferenzen oder per Telefon. Ich versuche alle einmal in der Woche per Video zu sehen. Dort tauschen wir die Dinge aus, die gerade dran sind und dann kann man dann auch mal ein bisschen Spaß haben, das ist wichtig! Es ist wichtig, dass die MitarbeiterInnen wissen, wir sind noch da, wir sind für sie da und sie können mich jederzeit ansprechen. Ich komme jetzt auch manchmal mit MitarbeiterInnen ins Gespräch, mit denen ich sonst nicht so viel Austausch habe, das finde ich toll!

Mit welchen pragmatischen Lösungen kann man dieser herausfordernden Zeit, von der besonders die Tourismusbranche schwer getroffen ist, begegnen?

Pragmatische Lösungen, gute Frage... Wir haben geschaut, was wir machen können. Eine kleine Gruppe aus AbteilungsleiterInnen verarbeitet alle Ideen die kommen und daraus entwickeln sich dann Angebote für unsere Häuser. Man kann schauen, wozu man ein Hotel noch nutzen kann, dort sind wir in Gesprächen. Man muss ja nicht an alten Mustern festhalten, zur Zeit geht es darum, Umsätze zu generieren und wenn die eben nicht durch den Tourismus kommen, muss man umdenken. Ich versuche mir nicht den Kopf zu zerbrechen, über Dinge die ich gerade noch nicht abschätzen kann und versuche das auch an alle weiter zu geben. Man darf sich jetzt nicht verrückt machen oder machen lassen, man braucht Optimismus!

Hände in den Schoß legen gibt es bei Ihnen nicht - Wie sieht der Hotelalltag derzeit aus?

Eine bunte Mischung aus ganz vielen Dingen, Mundmasken besorgen und verteilen, Liquidität sichern, Mitarbeitergespräche führen, Ideen sortieren, Dinge steuern und vieles mehr, eigentlich genauso vielfältig wie sonst auch.

Was vermissen Sie von dem normalen Hotel-Alltag am meisten (wobei, was ist schon normal?)

Den Kontakt mit den MitarbeiterInnen, auch wenn dieser auch im normalen Alltag immer wieder zu kurz kommt, aber das fehlt.

Was wünschen Sie sich für die Zeit "danach"?

Dass uns bewusst wird, wie gut es uns grundsätzlich geht. Was wir für ein tolles Gesundheitssystem haben, dass wir die "Systemrelevanten" Berufe mehr wertschätzen und dass wir merken wie toll es ist persönliche Kontakte zu haben. Digitalisierung ist zwar toll, kann aber nicht alles ersetzen.

Denken Sie, dass sich der Tourismus verändern wird?

Langfristig - Nein - kurzfristig ja.

Und jetzt noch ein paar persönlich Fragen: In Ihrer Schreibtisch-Schublade und Ihrer Handtasche, so erzählt man, haben Sie immer Ihre Nervennahrung dabei. Jetzt mal Hand aufs Herz: welche sind Ihnen am Liebsten? Die grünen, weißen oder roten Gummibärchen?

(Lacht) Die weißen und die roten.

Auf welche Sache könnten Sie aktuell im Homeoffice derzeit UNTER KEINEN UMSTÄNDEN verzichten?

Auf meinen Laptop, meine Kopfhörer und die Nervennahrung....

Welche drei Dinge würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen (die hypothetische Insel ist Coronafrei; Maske und Desinfektionsmittel werden nicht benötigt)

Meinen Mann, meine Kinder und was zum Lesen.

Wenn Sie bei ALvis Küchenchef Wolfgang Kanow den nächsten Businesslunch bestimmen dürften, welcher wäre das?

Ooohh - er liest das auch - ich mach mal einen Wochenplan.  Also Blutwurst, Geschnetzeltes, Schnitzel, Burger, Nudeln mit Gemüse....

Das Interview führte Stephanie Wegener, ehemalige Auszubildende (2003-2006) und jetzige Marketingleiterin der Albrechtshof Hotels und Restaurants. Sie selbst ist seit fast 17 Jahren im Unternehmen und wurde vor Ihrer Ausbildung von Dana Schmiedel für ein Schülerpraktikum eingestellt.

Das Foto zeigt beide im Jahr 2017. (Deshalb kein Mundschaft und keine 1,5m Abstand ;-) )

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